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Frank Richter - 1a-faksimile
 

Das Briçonnet-Stundenbuch
Farbenprächtige Tafelmalerei in Buchform

Das Briçonnet-Stundenbuch überwältigt durch seine intensive Farbenpracht im Wechselspiel mit zart schimmernden Goldpartien und bietet eine staunenswerte Galerie von ausschließlich ganzseitigen Miniaturen, die als gerahmte Tafelbilder daherkommen. Das gibt es kein zweites Mal in einem Buch! Große Kunst eines großen Meisters im kleinen Format. Sorgfältige Malerei mit besonders feinen Pinselstrichen, die sowohl die individuellen Gesichtszüge der wohlproportionierten Figuren als auch die Stofflichkeit ihrer Gewänder genauestens wiedergibt. In architektonischen Räumen und vor stillen, tiefen Landschaften agieren Heilige und biblische Gestalten, die eine ernste Würde ausstrahlen und von denen eine ganz eigene Faszination ausgeht.  

Ein Stundenbuch als Gemäldegalerie

Das Briçonnet-Stundenbuch ist um 1485 in Tours entstanden und insofern neu und einmalig, als hier die in der Ausstattung von Stundenbüchern übliche Hierarchisierung aufgegeben ist und auch untergeordnete Textanfänge mit großen Bildern angezeigt werden. Den Beginn des Marienoffiziums, der Johannes-Passion, der Bußpsalmen und des Totenoffiziums markieren sogar gleich zwei ganzseitige Miniaturen, die auf einer Doppelseite einander gegenübergestellt sind. Alle 25 Miniaturen sind ganz bewusst wie Tafelbilder angelegt und werden von einem Trompe-l’oeil-Zierrahmen umgeben, der bis an die Seitenränder reicht. So ist die Illusion perfekt: Wer im Briçonnet-Stundenbuch blättert, schwelgt in einer Gemäldegalerie!        


Ein großer Künstler

Das Briçonnet-Stundenbuch wurde von einem Meister geschaffen, den schon die Zeitgenossen mit Künstlern wie Jean Fouquet, Rogier van der Weyden, Hugo van der Goes, Leonardo da Vinci oder Michelangelo in einem Atemzug genannt haben: Jean Poyer. Um 1445 in Tours geboren, zählte er zu den besten Buch- und Tafelmalern des 15. Jahrhunderts. So arbeitete er für drei Könige von Frankreich und ihre Ehefrauen, nachweislich zwischen 1465 und 1503. Das Briçonnet-Stundenbuch ist dabei das erste Werk der Buchmalerei, das ihm zugeschrieben wird.
In seinem Schaffen wurde Jean Poyer erkennbar von der Architektur und Kunst der italienischen Frührenaissance beeinflusst, die er aus eigener Anschauung kannte.


Ein schillernder Auftraggeber

Dass beim Briçonnet-Stundenbuchsowohl der Künstler als auch der Auftraggeber historisch fassbar sind, ist bei Handschriften aus dem Spätmittelalter eher selten und daher ein wahrer Glücksfall der Kunstgeschichte. Einen Hinweis auf den Auftraggeber gibt die Initiale auf fol. 10v. Sie zeigt das Wappen der Adelsfamilie Briçonnet. In Frage kommt dabei der um 1445 in Tours geborene Guillaume Briçonnet, der spätere Bischof, Erzbischof und Kardinal. Unter König Ludwig XI. hatte er sich in der Finanzverwaltung hervorgetan und stieg unter dessen Sohn dann zum Schatzmeister Frankreichs und Mitglied des Staatsrates auf. Aus diesem Anlass dürfte er das extravagante Stundenbuch als Geschenk für seine Ehefrau bestellt haben.


Unter der Lupe: 
Farbe, Proportion und Perspektive - Ein Malergenie am Werk

Das Briçonnet-Stundenbuch zeigt einen Maler von überragendem Talent am Werk, der seine Kunst souverän beherrscht und dessen Stil bereits voll ausgereift ist. Den Betrachter seiner Miniaturen-Gemälde begeistert Jean Poyer mit seinem sehr ausgeprägten Gespür für Farbkombinationen, Proportionen und die korrekte Darstellung der Perspektive. Von großer Meisterschaft zeugt überdies auch die differenzierte Gestaltung der großenteils individualisierten Gesichter und Figuren, bei denen Haare, Bärte und Gewänder detailgenau mit unzähligen feinen Pinselstrichen gemalt sind. Dabei scheint das höfische Umfeld Poyers seinen Blick vor allem für kostbare Stoffe und modische Accessoires geschärft zu haben. Besonderen Wert legte er ganz offensichtlich auf ausgefallene Kopfbedeckungen.
So trägt der Evangelist Matthäus auf fol. 10r einen Turban. Der Raum, in dem er an einem Pult sein Evangelium schreibt, ist perspektivisch perfekt konstruiert. Sein Symbol, der Engel, schaut ihm über die Schulter und weist mit der linken Hand auf den Text. Ob er ihn auf einen Fehler aufmerksam macht oder ihm erklärt, was er schreibt? Auf den ersten Blick lässt sich das Bild als Ganzes erfassen, so übersichtlich ist es aufgebaut. Auf den zweiten Blick sind dann viele faszinierende Details zu entdecken, wie die Bücher unter dem Pult oder der Lichtreflex durch das Buntglasfenster auf der gemauerten Laibung. Einzigartig ist auch hier wieder das intensive Kolorit: Matthäus‘ blaues Gewand, der rote Mantel des Engels mit einem goldgelben Seidenfutter und dessen grüne Flügel.


Handschrift und Faksimile im Überblick


Das Briçonnet-Stundenbuch ist mit keinem anderen Stundenbuch aus der Zeit vergleichbar -durch die besondere Art seiner Malerei und die intensiven, ja fast schon knalligen Farben. Im originalgetreuen Faksimile lässt sich die Aura dieser eindrucksvollen Handschrift auf authentische Weise nachspüren.

Handschrift:
 Haarlem, Teylers Museum, Ms. 78
Entstehungszeit: um 1485
Entstehungsort: Tours
Format: 21,0 x 14,5 cm
Umfang: 288 Seiten (144 Blatt)
Künstler: Jean Poyer
Auftraggeber: höchstwahrscheinlich Guillaume Briçonnet (1514), Schatzmeister Frankreichs, Bischof und Kardinal
Ausstattung: 25 ganzseitige Miniaturen in kraftvoll leuchtenden Farben, verziert mit zarten Goldhöhungen und Silberpartien, zahlreiche vergoldete Zierinitialen mit Trompe-l’œil-Edelsteinen und -Perlen, farbig gestaltete Zeilenfüller auf feinem Pinselgoldgrund
Einband: dekorativer roter Ledereinband mit reicher Goldprägung auf Vorder- und Rückdeckel, Rücken und Kanten
Kommentarband von Mara Hofmann / Christine Seidel / Pierre-Gilles Girault 
Limitierte Auflage: 680 Exemplare

Subskriptionspreis gütig bis Erscheinen: EUR  5.980,00
Endpreis: EUR  6.450,00

Die Faksimile - Edition erscheint im Sommer 2020.

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